Was ist bienengemäß an einer Bienenbehausung?

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Bienenbeute / Dadant / Demeter / Säubern
Bienenbeute, Dadant, bienengemäß imkern

Der erste Frühlingstag breitete sich über Berlin aus, am 4. April, mit wunderbaren 20 Grad. In der Luft dufteten die ersten Frühjahrssonnenstrahlen lieblich und legten sich mild auf Haare und Gesicht, auf Bäume, Büsche und den noch wintermüden Boden, auf die immer noch zerzausten Wiesen und die nackten Äste der Bäume, die alle darauf warten, sich endlich einkleiden zu dürfen. In alle Grünschattierungen und in den Farbenrausch ihrer Blüten.

Es war ein zäher Winter hier und im nächsten Jahr wandern wir alle aus, Beete, Büsche, Bäume, Bienen, ich und mein Kind, zumindest im Februar, ab nach Australien oder auf die Seychellen.

Blick ins Volk

Der Tag war wie gemacht, um die Behausungen meiner Bienen zu reinigen und vor allem eine erste längere Durchschau zu wagen, um den Stand der Dinge, nämlich der Fortpflanzungsgeschehnisse, zu erfahren. Wurde gut gestiftet (=Eier gelegt)? Oder war etwa kein Brutnest und keine Königin zu entdecken und damit zu diesem Zeitpunkt der unwiederbringliche Tod eines Volkes in Kauf zu nehmen? Wie war die Futterlage? Und überhaupt, was war am Boden ihrer Hütten vorzufinden, nach all den langen Wintermonaten, waren die lästigen Ameisenkolonnen vom letzten Jahr schon aktiv und okkupierten womöglich wieder den Raum zwischen Innen- und Außendeckel – kurzum, herauszufinden gab es viel. Niemand hat bessere Worte für das Gefühl vor der Durchsicht eines Bienenvolkes gefunden als Maeterlinck:

„Wenn man zum ersten Mal einen Bienenstock öffnet, so verspürt man etwas von der Erregung, die einen stets befällt, wenn man sich über etwas Unbekanntes hermacht, das voll von furchtbaren Überraschungen sein kann, wie beispielsweise ein Grab.“

Um es gleich vorweg zu nehmen: Mein sterbendes Völklein (hinfort „die Barbies“) lebten wacker weiter vor sich hin, im Vollbesitz eines winzig kleinen, handtellergroßen Brutnestes (wobei wir hier von kindlicher Handtellergröße sprechen, nicht mehr). Das alteingesessene Volk erschreckte mich erst mit, wie es auf den ersten schlampigen Blick erschien, gähnend leeren Zellen auf abgegrasten Waben mit nur wenig Restfutterbestand. Bei einer beherzten zweiten Untersuchung ihrer Waben jedoch konnte ich Stifte ausmachen (die hoffentlich mehr waren als nur der Wunsch als Vater des Gedanken und des Bildes vor meinem Auge). Mein Volk in der Mitte war prächtig, vital und quoll friedlich und proppig über die Wabenrähmchen im Inneren.

Großes Reinemachen auf bienengemäße Art

Während sich die Jungbienen einflogen, die Vogelscharen sangen, pfiffen und tirilierten und die Frühlingswärme winterkalte Steine und meine Knochen zum Leben erweckte, begann das große Säubern der Beuten unter blauem Himmel. Laut Demeter-Richtlinien auf sparsame und einfach zu handhabende Art und Weise: „Reinigung und Desinfektion der Bienenwohnung sind bei Bedarf ausschließlich mit Hitze (Flamme, Heißwasser) oder mechanisch vorzunehmen“.

Wasser fiel weg, da die Wasserzufuhr an meinem Bienenstandort noch nicht aktiviert war, meinen Flammenwerfer hatte ich zu Hause vergessen (ausgerechnet!) und so blieb die Mechanik. Stundenlang kratzte ich mit dem Stockmeisel sorgfältig altes Wachs und Propolis von Innenwänden der Beuten, Innendeckeln, Schieden und Wärmebrettern. Entfernte Gemüll von den Böden, dabei verstorbene Winterbienen, Wachsstreusel und einige fliegende Ahornfrüchte. Schön, am Ende die gereinigten, trockenen und gut riechenden Brutkästen vor sich zu haben, aus denen der feuchte Wintermuff ausgetrieben war.

Bienengemäße Beuten

Bezüglich des bienengemäßen Imkerns ist durch die Demeter-Richtlinien der ungeteilte Brutraum vorgegeben: „Brutraum und Rähmchengröße sind daher so zu wählen, dass sich das Brutnest organisch mit den Waben ausdehnen kann, ohne von Rähmchenleisten durchtrennt zu werden“. Gelernt habe ich das Imkern auf Deutsch-Normalmaß (DNM), wie es im Norden Deutschlands verbreitet ist. Sowohl der Berufs- als auch der Hobbyimker, bei denen ich lernte, verwendeten selbst jedoch andere Maße, der eine Dadant, der andere die Golzbeute. Beides Bienenbehausungen mit ungeteiltem Brutraum. Und beide überzeugten mich in Bezug auf bienen- und imkerfreundliches Leben und Arbeiten.

Glücklicherweise begann ich also meinen Bienenstand von vornherein mit einer ungeteilten Brutraumkiste – nämlich Dadant – und muss mir nun nicht überlegen, wie ich am kostengünstigsten von einem Beutemaß, das aus dem geteilten Brutraum besteht, auf eines mit nur einem Brutraum umsatteln soll. Abgesehen von den imkerlichen Beschwernissen bei zwei Kisten für den Brutraum (heben, heben, heben), überzeugte mich von Anfang an, dass der Brutraum des Volkes als organisches Gebilde zu verstehen ist, der intakt gehalten und möglichst wenig gestört werden will. Wie angenehm wäre es, wenn durch unsere Schlafzimmer in regelmäßigen Abständen ein ICE durchbrettern würde? So ähnlich stelle ich mir das gewaltsame Auseinanderreissen des Brutraumes vor, wenn zwei Brutraumzargen bei der Durchsicht immer wieder getrennt werden müssen. Ganz abgesehen davon, dass ein Stück Holz (die Oberträger der Rähmchen) und der Beespace von einigen Millimetern den Brutraum sowieso künstlich trennt und von Anfang an kein harmonisches Begehen, Bearbeiten, Bestiften und Beleben möglich macht.

Und was wollen die Bienen?

Tom Seeley beschreibt in seinem Buch „Bienendemokratie“ ausführlich seine beeindruckenden Experimente mit Bienenvölkern auf der Suche nach einem neuen Zuhause und die dabei entschlüsselten Qualitäten, die die Bienen selbst an einer Behausung schätzen. Dazu zählen: Größe des Fluglochs (kleiner als 50 cm², bitte!), Eingang mit Blick nach Süden, Flugloch in einer Höhe ab 2 m, ein bevorzugter Rauminhalt von 40-60 l (um genügend Winterfutter lagern und ein ausreichend großes Brutnest pflegen zu können) und möglichst schon vorhandene Waben eines früheren Volkes (spart Arbeit!).

Natürlich akzeptieren die Bienen auch den geteilten Brutraum:

„Laune oder Erwerbssinn des Menschen schlägt den Schwarm also eines Tages in die eine oder andere dieser recht ungleichen Wohnungen ein, und es ist nun Sache des kleinen Insekts, sich darin zurechtzufinden, Pläne zu modifizieren, die eigentlich unveränderlich sein sollten, und in diesem ungewohnten Raum die Lage des Wintersitzes zu bestimmen (…). Und doch gibt es keinen Fall, wo ein Schwarm die Arbeit verweigert hätte, wo er sich durch die Seltsamkeit der Umstände hätte verwirren oder entmutigen lassen, vorausgesetzt, dass die ihm dargebotene Wohnung nicht schlecht riecht oder wirklich unbewohnbar ist.“ Maurice Maeterlinck

Umstellungsgraus

Und doch ist bienengemäß sicherlich etwas anderes als zwei Brutraumkisten aufeinander gestapelt. Ein Graus, wenn man umstellen möchte und seine Imkerei, all die Zargen und Gerätschaften, einem neuen Maß anpassen oder gleich gänzlich austauschen muss. Einschüchternd der Gedanke und den einen oder anderen Imker hält dies von der Neuorientierung ab.

So auch den lieben Mitimker, Herrn S., der sich plötzlich auf meinem Fleckchen Werkstatt unter freiem Himmel einfand, sich noch dazu als Mitglied desselben Imkervereines, dem auch ich angehöre, herausstellte, und nach jahrzehntelangem Imkern mit DNM am Plötzensee und auf der Jungfernheide nun keinen Sprung mehr Richtung Golz, Dadant oder Top Bar Hive machen wird.

Über alle Beuten und Maße gibt es Literatur und mannigfaltige Informationen im Internet zu finden. Jeder informiere sich selbst und treffe die Wahl nach eigener Anschauung und Überzeugung, Praktikabilität und dem, was finanziell machbar ist. Von den Ratgebern über Dadant kenne ich bisher nur Werner Gerdes Buch. Seinen Fokus auf die Buckfast-Biene ignoriere ich getrost, denn als angehende bienengemäße Imkerin sind die Handhabungen von Fortpflanzung, (künstlicher) Vermehrung und Rasse sowieso gänzlich anders gelagert und ob Buckfast oder nicht: Das ist hier nicht die Frage. Seine Ausführungen zur Dadant-Beute sind einfach zu verstehen und vor allem für Anfänger eignet sich das Buch hervorragend, denn es leitet bequem Monat für Monat durch das Imker- und Bienenjahr.

Nur natürliche Materialien

So zogen sie in frisch geräumte Kisten ein, meine drei Völker, aus Holz, unbehandelt innen, ohne Plastikfolien und anderen künstlichen Applikationen, denn, so Demeter-Richtlinie, „die Bienenwohnung – mit Ausnahme von Verbindungselementen, Dachabdeckung und Gitterboden – ist vollständig aus natürlichen Materialien wie beispielsweise Holz, Stroh oder Lehm zu fertigen“.

Es ist wie Balsam für meine Seele, da alleine am Bienenstand, ein bisschen abgeschieden vom Rest der Stadt, Motorengeräusche fern, Bienensummen und Spechtklopfen nah, meine Zeit zu verbringen.

Glück hat, wer sich mit Bienen beschäftigen darf.

Der Autor

Ich bin Hobbyimkerin seit 2015. Meine Bienenvölker stehen in Berlin-Mitte, drei an der Zahl. Ab 2018 beschreite ich freudig und gespannt den Weg des bienengemäßen Imkerns.

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