Bienengemäß imkern – ein zweiter Start

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Demeter / Günter Friedmann / Maurice Maeterlinck
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Am 11. März diesen Jahres war der Tag aller Tage, der Startschuss in das neue Imkerjahr, denn es waren hier in Berlin-Mitte satte 15 bis 17 Grad Celsius zu verzeichnen und daher perfekte Bedingungen für den Reinigungsflug der Winterbienen.

„Die Bienen des von uns erwählten Bienenstocks haben also die Starre des Winterschlafs abgeschüttelt. Die Königin beginnt von Anfang Februar an wieder Eier zu legen. Die Arbeitsbienen befliegen die Anemonen, Narzissen, Veilchen, Salweiden und Haselnusssträucher.“ M. Maeterlinck

Frühjahr 2018 – Ausgangslage

Unser Februar hingegen wurde von Kälte- und Grippewellen durchzogen und nach dem 11. März kamen Schnee- und bestenfalls Regentage, feuchte und gefühlt eisige Kälteeinheiten. Selbst das Osterwochenende Ende März/Anfang April verging größtenteils kalt im Schneefall, ohne fliegende Arbeitsbienen an den wenigen Schneeglöckchen, die mutig ihre Häupter dem Nass entgegenhielten, und zumindest von einem meiner drei Bienenvölker weiß ich, dass sie sicherlich weisellos (also ohne Königin) sind. Nichts und niemand legt dort in der Holzbeute Eier in die Wabenzellen, so vermute ich. Nach der letzten Durchschau schien mir, dass lediglich drei Esslöffel trauriger Bienen verblieben waren, die sich langsam und tief in eine Ecke und in zwei Wabengängen zurückgezogen hatten. Dort kauernd bis auch das letzte bisschen Bienengeist seine Reise in eine andere Welt angetreten haben würde.

Für eine Imkerin eine deprimierende Situation. Die letzten beiden Winter hatten wir Glück, meine drei Völker und ich. Und auch über die vergangenen restlichen Jahreszeiten ging es uns gut. Sogar dem – klimatisch gesehen – ver-rückten Frühjahr 2017 trotzten wir und es fanden sich bis Mitte Juli 2017 (letzte Ernte in Berlin) viele Kilo Honig ein. 

Ein Imkerbeginn in Gelassenheit

Wir pflegten eine gute Koexistenz in den Jahren seit 2015, die Zehntausende von Arbeitsbienen, die drei Weisel, die zeitweilig anwesenden Drohnen (=männliche Bienen), ich und mein Kind. Die Völker erstand ich einige Monate vor Geburt des lieblichsten Drohns aller Drohnen. Ein Glück, denn hätte ich gewusst, was in der Praxis mit Säugling – noch dazu alleine – und drei Bienenvölkern auf mich zukäme, hätte ich es glatt gelassen. Mit den Bienen.

So aber waren wir alle gemeinsam im Boot und meine Bienen konnten sich wahrhaftig nicht über den typischen Imkeranfänger, der kontrollettimäßig die Beuten alle Naselang öffnet, um Arbeiterinnen zu zählen und um überflüssigerweise die Königin ausfindig zu machen, beschweren. Ich tat, was getan werden musste, in ruhiger Eile, der kleine Drohn in seinem Kinderwagen daneben, schlafend, diese Zeiteinheit galt es zu nutzen, bei Schwarmkontrolle, Milbenbehandlung und anderen Tätigkeiten. Mehr tat ich jedoch nicht. Die Bienen lebten ihr Leben in wunderbarer, behüteter Autonomie, ließen mich kiloweise ihre goldenen Vorräte abernten, wurden mit Zuckerwasser entschädigt und dann: Adieu, bis zum nächsten Jahr. 

Bereit für den zweiten Start

Dieses Jahr jedoch war es so weit. Ich spürte ein Kribbeln beim ersten Gang zum Bienenstand. Und wusste: Es war zurück! Das Imkerfieber, die Leidenschaft für die Biene und für die Beschäftigung mit dem „Bien“. Die beiden ersten Kindheitsjahre meines Drohns und damit die Zeit der hellen Aufregung und beinahe kompletten mentalen Okkupation liefen aus, Raum im Geiste für anderes wiedererringend war es an der Zeit, mich den anderen geliebten Lebewesen zuzuwenden, die mein Leben reich machen. 

Und als ich mein sterbendes Volk betrachtete, und einen Hinweis einer erfahrenen Imkerin aufgriff, beschloss ich einfach so, einen zweiten Start zu wagen. Nämlich die Hinwendung zum bienengemäßen Imkern. 

Bienengemäßes Imkern – mein neuer Weg

Zu verlieren habe ich nichts, zu gewinnen viel. Als Hobbyimkerin mit dem kleinsten Bienenstand aller Bienenstände in der Hauptstadt, so bin ich sicher, muss ich keine Vorsorge für Einnahmen aus möglichst hohen Honigerträgen treffen. Ich bin keine Berufsimkerin und daher finanziell unabhängig vom flüssigen Gold, frei also und abenteuerlich genug, um zu experimentieren und Handhabungen auszuprobieren, die eventuell verlangsamend auf die Erstellung des Honigs oder anderer „Bienenprodukte“ einwirken würden.

Einige Eckpfeiler der bienengemäßen Imkerei sind mir geläufig (Naturwabenbau, Zufüttern von Honig statt ausschließlich reinem Zuckerwasser, alternative Schwarmvermehrungs„methoden“, die es zu erfahren gilt), das große Ganze jedoch nicht. Viel zu erforschen gibt es für mich daher und einiges zu erfragen und nachzulesen. Ein großes Feld tut sich auf. Ein großes, unbeackertes, hoffnungsstiftendes Feld, das eine Welle der Euphorie in mir auslöst, denn nichts ist so befriedigend und gleichzeitig so begeisternd als Neuland, das man beschreiten darf, mit der Vision, am Ende etwas gänzlich Anderes gelernt zu haben, das umgesetzt besser zu einem passt als das, was man bisher hatte.

Denn dass die bienengemäße Imkerei zu dem passt, was ich selbst vertrete, zu der Haltung, mit der ich mein Leben leben möchte, das scheint mir durch das (zwar nur) Wenige, was ich bisher weiß doch klar zu sein: Respekt vor der Entfaltung eines anderen Lebewesens auf seine eigene Art, auch dann, wenn es mich um einige Tropfen Honig bringen sollte. Ablass von gewissen imkerlichen Übergriffigkeiten und Möglichkeiten (Bestellung von Königinnen aus den Nachbarländern via Postversand zum Beispiel). Klare Orientierung hin zu einer, so wie nur geht, ökologischen Ausrichtung des Imkerns, auch wenn gewisse Bequemlichkeiten dabei am Wegesrand zurückgelassen werden müssen (die wunderbaren gelben 11 Liter-Plastikeimer, in denen ich meinen Honig bis jetzt lagere? Oh weh).

Die Rückkehr zu einer Art von Achtsamkeit im Umgang mit den Bienen, ihren Erzeugnissen, mit dem, was die Bienen umgibt, nämlich Flora und ja, vielleicht auch Fauna über die Biene hinaus, und im Umgang mit dem Menschen, letzten Endes, der meinen Honig isst, geniesst und der sich dabei daran erinnern wird, wie kostbar dieser Löffel umgewandelter Nektar im Tee oder auf dem Brot in Wahrheit wirklich ist.

Mein kleiner Drohn selbst wird bald ein Waldorf-Kindergartenkind sein und ich denke, Rudolf Steiners Philosophie und Weltanschauung haben auch beim bienengemäßen Imkern ihre Finger im Spiel. Wie und wie sehr vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen geschweige denn zu beschreiben. Die Untersuchung dessen wird ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem Weg zur bienengemäßen Imkerin sein.

Ungewissheit, Vorfreude und zwei gute Buchbegleiter

Ob ich auf dem Weg zum zertifizierten Demeter-Honig steckenbleiben werde, die bienengemäße Imkerei nur bis zur Absperrgitterdebatte vorantreiben werde (um sie dann an meinen Absperrgittern, auf die ich zum jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall verzichten möchte, auflaufen zu lassen und mich darin zu bescheiden, diese Hürde und Barriere nicht zu nehmen) – all dies ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss. 

Ich bin voller Vorfreude, gespannt auf das, was kommen wird und beschreibe hier meinen Weg zum bienengemäßen Imkern mit all seinen wunderbaren und sicherlich auch überraschenden Aspekten. 

Beschlossen habe ich, mich erst einmal von zwei Büchern begleiten zu lassen. Zum einen von Günter Friedmanns Praxis-Handbuch „Bienengemäß Imkern“. Als größter europäischer Demeter-Imker und schon seit über drei Jahrzehnten beschäftigt mit der Sache, bin ich mir sicher, von seinen Ausführungen profitieren zu können. 

Zum anderen – um der Poesie genüge zu tun und meine Sehnsucht, nicht nur Handbuchmäßiges, sondern auch Literarisches über die Bienen zur Hand zu haben hiermit zu stillen – wende ich mich Maurice Maeterlinck zu, dessen „Leben der Bienen“ 1901 erschien und mich sätze- und abschnittsweise immer wieder fasziniert. 

Dies sind die Voraussetzungen und Voreinstellungen. Zwei Bücher, drei Völker (davon eines sterbend), ein bis jetzt verregneter Frühling, eine motivierte Imkerin und ein nichts ahnender kleiner Junge, der dieses Jahr seinen ersten Imkerhut bekam. 

Es kann losgehen.

Der Autor

Ich bin Hobbyimkerin seit 2015. Meine Bienenvölker stehen in Berlin-Mitte, drei an der Zahl. Ab 2018 beschreite ich freudig und gespannt den Weg des bienengemäßen Imkerns.

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